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Strategie

Tausend Betriebe, eine Vorlage

Wer einen Website-Baukasten nutzt, mietet nicht nur eine Plattform, sondern eine Vorlage, in die der eigene Betrieb hineingepresst wird.

Von Tinte & Pixel · 10. Juni 2026 · Lesedauer 4 Min

Drei Friseure aus drei deutschen Städten, drei verschiedene Baukasten-Anbieter, ein einziges Bild. Oben ein dunkles Foto mit weißer Schrift, darunter drei Leistungskacheln, ein rundes Inhaberporträt, am Ende ein Kontaktformular. Die Adressen ändern sich, der Eindruck bleibt.

Wer mit Wix, Jimdo oder Squarespace baut, bekommt eine fertige Website. Im Gegenzug gibt er drei Dinge ab, die sich zuerst nicht wie ein Verlust anfühlen: ihr Aussehen, ihre Wachstumsfähigkeit und ihr Eigentum.

Die Vorlage gewinnt immer

Ein Template wird gewählt, weil es fertig wirkt. Genau das ist die Falle. Baukasten-Vorlagen entstehen für eine sehr breite Mitte des Marktes, sie tragen Branchen, keine Betriebe. Wer dieselbe Vorlage nutzt, übernimmt deren Argumentation. Was bleibt, ist eine Website, die aussieht wie tausend andere und an die sich am Tag danach niemand mehr erinnert.

Wo der Betrieb wächst, wächst die Plattform nicht mit

So lange ein Auftritt aus fünf Seiten besteht, ist der Baukasten ein gefälliger Werkzeugkasten. Sobald ein zweiter Standort dazukommt, eine zweite Sprache oder ein eigener Buchungsablauf, wird er enger. Was vorher ein Klick war, wird ein Workaround. Erweiterungen sind nur dort möglich, wo der Anbieter sie vorgesehen hat.

Die Kündigung ist eine Wand

Bei den meisten Baukästen lässt sich die fertige Website nicht herunterladen. Texte können kopiert werden, das Design bleibt beim Anbieter. Wer wechseln will, beginnt nicht von einer Vorfassung aus, sondern von Null. Auch fünf Jahre Investition in Inhalte, Suchmaschinenpositionen und Verlinkungen sind nicht übertragbar.

Die laufende Miete

Bezahlt wird Monat für Monat. Aus dieser Zahlung wächst kein Bestand. Es entsteht kein Code, kein Bildarchiv, kein Backup, das nach einem Anbieterwechsel weiter brauchbar wäre. Die laut IONOS-Mittelstandsstudie für 56 Prozent der deutschen Betriebe spürbarste Digitalisierungshürde, die Kosten, bleibt damit ein dauerhafter Posten ohne Restwert.

Wann sich der Umstieg vom Baukasten lohnt

Solange ein Betrieb sich selbst noch sucht, ist der Baukasten ein zulässiger Übergang. Sobald die Kernleistungen stehen und das Erscheinungsbild trägt, wird jedes weitere Jahr im geschlossenen System eine Investition in fremdes Eigentum. Wer einmal die Vorlage verlässt, steht vor der eigentlichen Werkzeugfrage und beginnt, wieder als einzelner Betrieb zu erscheinen.

Die billigste Website ist nicht die, die wenig kostet, sondern die, die am Tag der Kündigung noch dem eigenen Betrieb gehört.
— Tinte & Pixel
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