Ein Maschinenbauer aus Stuttgart lässt seine Website neu gestalten. Das Projekt dauert sechs Monate, kostet einen fünfstelligen Betrag und endet mit einem unbestreitbar schöneren Auftritt. Ein Jahr später zieht der Geschäftsführer Bilanz: Die Zahl der Anfragen ist exakt dieselbe wie vorher. Der Relaunch hat stattgefunden, verändert hat er nichts.
Neue Farben, alte Sätze
Der häufigste Fehler beim Website-Relaunch ist, dass nur die Oberfläche erneuert wird. Die Texte von 2018 werden in das neue Design kopiert, die Seitenstruktur bleibt, die Startseite verspricht dieselben Dinge in derselben Reihenfolge. Besucher lesen aber keine Farbpaletten, sie lesen Sätze. Wer die Wörter behält, behält auch deren Wirkung. Und wer vor dem Relaunch keine einzige Kundenfrage gesammelt hat, wird sie auch im neuen Gewand nicht beantworten.
Der stillste Fehler heißt vergessene Weiterleitung
Beim Relaunch ändern sich oft die Adressen einzelner Seiten. Wird nicht jede alte Adresse per Weiterleitung auf ihre Nachfolgerin gelenkt, behandelt Google die neue Website wie eine fremde. Über Jahre aufgebaute Positionen in der Suche verschwinden binnen Wochen, und mit ihnen die Besucher. Es ist der teuerste Fehler des gesamten Vorhabens, und er fällt erst auf, wenn das Telefon leiser wird. Eine vollständige Liste aller alten Adressen samt Weiterleitungsziel gehört deshalb in jedes Pflichtenheft, noch vor dem ersten Entwurf.
Ein Relaunch beginnt mit Fragen, nicht mit Entwürfen
Vor dem ersten Entwurf gehören drei Fragen beantwortet: Was soll die Website einbringen, welche Anfragen fehlen heute, und was hat sich am Betrieb seit dem letzten Stand geändert? Eine Website altert auf mehreren Ebenen gleichzeitig, und das Design ist selten die wichtigste. Auch die Frage nach dem passenden Werkzeug gehört an den Anfang, nicht ans Ende.
Woran Sie einen guten Relaunch erkennen
Ein guter Relaunch wird gemessen, nicht gefeiert. Vorher werden Anfragen, Sichtbarkeit und Ladezeit notiert, hinterher verglichen. Die Texte werden neu geschrieben, nicht umgetopft. Die Struktur folgt dem heutigen Angebot, nicht dem von vor sieben Jahren. Wenn am Ende nur ein Satz übrig bliebe, müsste er lauten: Es geht nicht darum, dass die Website neu aussieht, sondern darum, dass sie mehr einbringt.