Ein Steuerberater aus München lässt seine Website vor sechs Jahren bauen. Sie funktioniert, Anfragen kommen, niemand klagt. Im siebten Jahr rutschen mehrere Dinge gleichzeitig: Die Mobile-Ansicht bricht in einer neuen Safari-Version, das Cookie-Banner verstößt gegen ein aktuelles Urteil, die Startseite verspricht Maßnahmen gegen die Wirtschaftslage von 2019. Erst ein verlorener Mandant macht den Zustand sichtbar.
Ein Dienstwagen wird nach vier Jahren ersetzt, weil er nach Kilometern verlangt. Eine Website schweigt einfach. Beide verlieren an Wert, nur einer der beiden Verluste erscheint auf einer Rechnung.
Sechs Jahre, und das Fundament bröckelt
Technische Pflege ist die schnellste Uhr im Hintergrund. Browser-Hersteller deprecaten Schnittstellen, Serversoftware braucht Sicherheits-Updates, Frameworks bekommen Major-Versionen. Eine Seite auf einem fünf Jahre alten WordPress mit ungepflegten Plugins ist kein Risiko in der Zukunft, sondern eines im Moment. Auch statische Seiten altern, nur langsamer.
Recht ändert sich, der Code nicht
Das schwerste Altersmerkmal ist juristisch. Seit 2025 verlangt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz konkrete Mindeststandards von vielen Unternehmen, und deutsche Gerichte fassen Einwilligungen enger als noch vor drei Jahren. Was 2019 sauber gebaut wurde, ist heute angreifbar. Ein altes Cookie-Banner ist kein Schönheitsfehler, sondern ein offenes Schreiben an Abmahnkanzleien.
Was Google heute belohnt, war gestern Beilage
Suchmaschinen bewerten anders als noch vor drei Jahren. Geschwindigkeit, mobile Darstellung und semantische Klarheit sind heute Pflicht, nicht Kür. Eine Seite, die 2019 noch Position drei hielt, fällt heute auf Seite zwei zurück, ohne dass jemand etwas dafür getan hätte. Sichtbarkeit verschwindet ohne Knall.
Der Geschmack des Nutzers wechselt im Stillen
Designkonventionen halten ungefähr fünf Jahre. Was 2019 modern wirkte, mit großen Hero-Bildern und animierten Slidern, signalisiert heute Stillstand. Besucher entscheiden in den ersten Sekunden, ob ein Anbieter aktiv ist oder konserviert. Wer diese Sekunden verliert, gewinnt sie nicht zurück.
Pflege ist günstiger als Reue
Eine gepflegte Website hält fünf bis sieben Jahre, eine vergessene rutscht schon nach drei. Eine kleine, jährliche Wartung mit Inhalts-Audit, Browser-Test und Rechts-Check kostet weniger als ein einziger verlorener Auftrag. Behandeln Sie Ihre Website wie eine Werkstatt, nicht wie ein Denkmal. Sonst zahlen Sie sie ein zweites Mal, ohne es zu merken.