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Ihr Kunde sucht nicht, was Sie anbieten

Zwischen dem, was ein Betrieb leistet, und dem, was seine Kunden bei Google eintippen, liegt oft eine ganze Sprache.

Von Tinte & Pixel · 13. September 2026 · Lesedauer 4 Min

Ein Heizungsbauer in Bielefeld schreibt auf seine Website, er liefere hydraulische Abgleiche, Systemtrennungen und Wärmepumpenkaskaden. Seine Kunden tippen bei Google ein, dass die Heizung nachts brummt, dass ein Heizkörper kalt bleibt, dass die Gasrechnung zu hoch ist. Die beiden finden einander nicht, obwohl sie füreinander gemacht sind.

Kunden suchen Probleme, keine Produkte

Wer etwas sucht, beschreibt seinen Zustand, nicht die Lösung. Gesucht wird nicht die Parodontalbehandlung, sondern das Zahnfleischbluten, nicht die Retusche, sondern das Passfoto ohne Schatten. Eine Website, die nur in Leistungskatalogen spricht, beantwortet Fragen, die niemand stellt. Die Texte müssen dort ansetzen, wo der Kunde steht, und ihn von seinem Problem zur Lösung führen, nicht umgekehrt.

Fachsprache ist eine Innenansicht

Fachbegriffe sind im Betrieb präzise und auf der Website eine Barriere. Sie entstehen aus jahrelanger Routine, und genau deshalb fällt ihre Wirkung nach außen nicht mehr auf. Der Test ist einfach: Würde ein Nachbar ohne Branchenkenntnis den ersten Absatz verstehen und wüsste er danach, ob er hier richtig ist? Wenn nicht, ist der Text für Kollegen geschrieben, und Kollegen kaufen nicht.

Die Worte der Kunden stehen im Posteingang

Die beste Recherche kostet nichts: E-Mails von Kunden, Telefonnotizen, die Fragen im Erstgespräch. Dort steht, wie Menschen wirklich formulieren, was sie brauchen. Auch die Vervollständigung im Google-Suchfeld zeigt, welche Formulierungen tatsächlich gesucht werden. Wer diese Sprache in Überschriften und erste Absätze übernimmt, schreibt automatisch Texte, die Suchmaschinen und Leser gleichermaßen verstehen.

Schreiben heißt weglassen

Ein Website-Text ist kein Schaufenster für alles, was der Betrieb je gemacht hat. Pro Seite eine Leistung, pro Absatz ein Gedanke, pro Satz eine Aussage. Was übrig bleibt, wirkt stärker, weil es nicht im Rauschen steht. Diese Verdichtung ist Arbeit, die ein Werkzeug nicht abnimmt: Sprachmodelle liefern brauchbare Rohfassungen, aber die Entscheidung, was der eigene Betrieb wirklich sagen will, bleibt Handarbeit. Es ist dieselbe Arbeit wie am Ladentisch, nur aufgeschrieben: zuhören, verstehen, in einfachen Worten antworten.

Ein guter Website-Text übersetzt Können in die Sprache derer, die es brauchen. Wer nur fachlich glänzt, bleibt unter Fachleuten.
— Tinte & Pixel
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