Ein Angebot über 18.000 Euro für eine Dachsanierung, sauber kalkuliert, ordentlich formatiert. Der Absender lautet dachbau.meier73@gmail.com. Die Empfängerin in Dortmund zögert, und sie kann nicht genau sagen, warum. Ihr Bauchgefühl hat nur die Adresse gelesen und entschieden, dass ein Betrieb, der achtzehntausend Euro aufruft, anders schreiben müsste.
Die Absenderadresse ist die Visitenkarte im Postfach
In Zeiten täglicher Phishing-Versuche prüfen Empfänger Absender genauer als je zuvor, und die Domain hinter dem Klammeraffen ist das erste, was sie sehen. Eine Adresse wie info@dachbau-meier.de bestätigt in einem Blick, dass Absender und Betrieb zusammengehören. Eine Gratis-Adresse mit angehängter Zahl wirkt dagegen wie ein Provisorium, selbst wenn dahinter dreißig Jahre Handwerk stehen. Banken und Verbraucherzentralen raten inzwischen ausdrücklich dazu, bei Rechnungen von Freemail-Adressen genauer hinzusehen, und dieses Misstrauen färbt auf jeden ehrlichen Absender ab.
Das Konto gehört der Person, nicht dem Betrieb
Der stillere Schaden liegt im Eigentum. Ein Gratis-Postfach ist an eine Person gebunden, nicht an die Firma. Verlässt der Mitarbeiter den Betrieb, der über seine private Adresse mit Kunden geschrieben hat, gehen Verlauf und Erreichbarkeit mit ihm. Adressen auf der eigenen Domain bleiben dagegen im Haus, sie lassen sich umleiten, übergeben und neu besetzen, so wie ein Schreibtisch.
Eingerichtet an einem Nachmittag
Die Hürde ist kleiner, als viele Inhaber vermuten. Die Domain selbst ist in den meisten Betrieben ohnehin vorhanden, sie trägt schließlich die Website, nur das Postfach dazu fehlt. Jeder Hoster bietet es für wenige Euro im Monat an, eingerichtet sind info@ und die persönlichen Adressen an einem Nachmittag, auf dem Smartphone funktionieren sie wie jede andere App. Wer mag, leitet die alte Gratis-Adresse für eine Übergangszeit weiter und verliert keine einzige Nachricht.
Die Adresse gehört zum Eigentum
Eine E-Mail-Adresse mit eigener Domain setzt voraus, dass die Domain dem Betrieb auch wirklich gehört, nicht der Agentur und nicht dem Baukasten-Anbieter. Dann aber ist sie das, was eine Gratis-Adresse nie sein kann: ein Stück Firmeneigentum, das mit jedem versendeten Angebot für den eigenen Namen arbeitet statt für den eines Konzerns.