eine Marke von Webgaudi Ausgabe 2026/10 Webdesign · Berlin · München · Hamburg
Strategie

Wenn die Agentur den Schlüssel behält

Ob eine Zusammenarbeit gut war, zeigt sich erst an ihrem Ende, nämlich daran, wie leicht man gehen kann.

Von Tinte & Pixel · 25. Oktober 2026 · Lesedauer 4 Min

Ein Sanitärbetrieb in Magdeburg will nach acht Jahren die Agentur wechseln, nichts Böses, man hat sich schlicht auseinandergelebt. Erst jetzt zeigt sich, was all die Jahre fehlte: kein Zugang zum Hosting, die Domain läuft über die Agentur, die Texte und Fotos liegen nur auf deren Servern. Der Neuanfang beginnt nicht mit Ideen, sondern mit Verhandlungen über das Eigene.

Der Moment der Wahrheit

Solange die Zusammenarbeit läuft, fällt Abhängigkeit nicht auf, sie fühlt sich an wie Service. Die Agentur kümmert sich um alles, und genau darin liegt das Problem, wenn alles auch bei ihr liegt. Ein Wechsel, eine Insolvenz des Dienstleisters oder schlicht dessen Ruhestand machen aus Bequemlichkeit über Nacht ein Geschäftsrisiko. Wer erst dann inventarisiert, verhandelt aus der schwächeren Position.

Was Ihnen gehören sollte

Die Liste ist überschaubar, aber jede Zeile zählt: die Domain, eingetragen auf den Betrieb, nicht auf den Dienstleister, der Hosting-Vertrag im eigenen Namen, Administratorzugänge zu Website und Verwaltung, die Nutzungsrechte an Texten, Fotos und Design sowie eine Kopie aller Inhalte. Dazu gehören auch die E-Mail-Postfächer unter der eigenen Domain, denn mit ihnen wandert im Streitfall die gesamte Korrespondenz. Was davon fehlt, lässt sich meist nachholen, am besten lange bevor es gebraucht wird.

Die Übergabe organisieren

Ein geordneter Wechsel ist Projektarbeit: erst alle Zugänge und Verträge zusammentragen, dann den Übergabetermin so legen, dass die Website nie offline ist, danach sämtliche Passwörter ändern. Fairness hilft dabei mehr als Härte, denn eine dokumentierte Übergabe ist Arbeitszeit der alten Agentur und darf etwas kosten. Wer im Guten geht, bekommt vollständigere Unterlagen als der, der mit dem Anwalt droht.

Beim nächsten Vertrag vorbeugen

Die Lehre aus jedem schwierigen Wechsel passt in drei Vertragszeilen: Domain und Hosting laufen auf den Betrieb, alle Zugänge liegen auch beim Inhaber, die Nutzungsrechte an den erstellten Inhalten gehen mit der Bezahlung über. Seriöse Agenturen unterschreiben das ohne Zögern, denn sie wollen über Leistung binden, nicht über Schlüssel. Zögert jemand an dieser Stelle, ist das keine Vertragsverhandlung mehr, sondern bereits die Antwort.

“Die wichtigste Frage an eine neue Agentur lautet nicht, was sie kann, sondern was Ihnen gehört, wenn sie es nicht mehr tut.”
— Tinte & Pixel
← Zurück zum Archiv Mehr aus dem Journal Drei Vorschläge