Ein Küchenstudio in Erfurt startet voller Elan einen Blog: drei Artikel im ersten Monat, einer im zweiten, dann Stille. Der letzte Beitrag wünscht frohe Ostern und ist zwei Jahre alt. Statt Kompetenz dokumentiert die Rubrik nun ihr Gegenteil, nämlich dass hier etwas begonnen und aufgegeben wurde, für jeden Besucher sichtbar, mit Datum.
Was ein Blog leisten kann
Richtig betrieben ist ein Blog eine Sammlung von Eintrittstüren. Jeder Artikel, der eine echte Kundenfrage beantwortet, kann bei Google für genau diese Frage gefunden werden, von Menschen, die den Betrieb noch nicht kennen, aber sein Thema haben. Dazu belegen gute Artikel Sachverstand glaubwürdiger als jedes Werbeversprechen, und sie liefern das Material, aus dem KI-Suchen ihre Empfehlungen bauen. Ein Blog ist damit kein Schmuck, sondern ein Vertriebskanal in Zeitlupe.
Warum die meisten Firmenblogs scheitern
Gescheitert wird selten am Schreiben, sondern am Kalender. Der Blog wird als Projekt geplant und nicht als Gewohnheit, ohne Themenliste, ohne festen Platz in der Woche, dafür mit dem Anspruch, jedes Mal etwas Großes zu liefern. Und viele Blogs erzählen Neuigkeiten über den Betrieb, neue Maschine, Messebesuch, Betriebsausflug. Das interessiert Bestandskunden ein wenig und Suchende gar nicht.
Antworten statt Neuigkeiten
Die tragfähigste Themenquelle ist das eigene Tagesgeschäft: die Fragen, die am Telefon, im Beratungsgespräch und in E-Mails immer wieder auftauchen. Wer sie sammelt, hat eine Themenliste für Jahre, und jeder Artikel spricht die Sprache, in der Kunden tatsächlich suchen. Was oft gefragt wird, wird auch oft gegoogelt.
Der Takt schlägt die Länge
Ein kurzer, nützlicher Artikel im Monat schlägt das Quartalsopus, das nie fertig wird. Entscheidend ist ein Rhythmus, der neben dem Tagesgeschäft durchhaltbar ist, notfalls alle zwei Monate, aber verlässlich. Und zur Pflege gehört der Rückblick, denn veraltete Beiträge arbeiten irgendwann gegen den Betrieb. Wer ehrlich weiß, dass Zeit und Lust fehlen, lässt den Blog lieber weg und steckt die Kraft in exzellente Leistungsseiten. Kein Blog ist eine solide Entscheidung. Ein toter Blog ist keine.