Auf der Teamseite einer Werbeagentur in Hannover lächeln sieben Gesichter. Drei davon arbeiten längst woanders, eines ist seit zwei Jahren in Rente. Niemand hat diese Seite je belogen, sie wurde nur von der Wirklichkeit überholt. Dass Technik, Recht und Design einer Website altern, ist die eine Geschichte. Die andere, leisere handelt vom Inhalt, und sie kostet direkter Vertrauen.
Wo Websites zuerst zu lügen beginnen
Die üblichen Verdächtigen sind immer dieselben. Die Preisliste mit dem Stand von 2019. Die Leistung, die der Betrieb seit Jahren nicht mehr anbietet, die aber weiter Anfragen erzeugt. Öffnungszeiten von vor dem Umbau. Und die Teamseite, die Menschen zeigt, die niemand mehr antrifft. Dazu kommen Zertifikate und Mitgliedschaften, die längst ausgelaufen sind, aber weiter im digitalen Schaufenster hängen. Jede dieser Seiten war einmal korrekt, keine wurde je zurückgenommen, und genau das macht sie so schwer zu finden: Sie sehen nicht falsch aus, sie sind nur still veraltet.
Der Schaden entsteht am Telefon
Ein Kunde ruft an und bezieht sich auf ein Angebot, das es nicht mehr gibt. Ein Mitarbeiter erklärt, korrigiert, entschuldigt sich. Das Gespräch beginnt mit einer Enttäuschung, und im Kopf des Anrufers steht ab sofort eine Frage über allem: Was auf dieser Website stimmt denn überhaupt noch? Vertrauen, das die Seite aufgebaut hat, baut sie im selben Moment wieder ab.
Ein News-Bereich von 2021 datiert den ganzen Betrieb
Der jüngste sichtbare Zeitstempel einer Website wird vom Besucher unwillkürlich auf das Unternehmen übertragen. Eine Aktuelles-Rubrik, deren letzter Eintrag drei Jahre alt ist, sagt nicht, dass der Betrieb 2021 aktiv war, sondern dass er es heute womöglich nicht mehr ist. Wer keine Neuigkeiten pflegen will, streicht die Rubrik besser ganz. Kein Datum ist besser als ein altes.
Streichen ist die unterschätzte Pflege
Pflege heißt nicht nur hinzufügen. Einmal im Jahr gehört jede Seite gelesen, mit einer einzigen Frage: Stimmt das noch? Was nicht mehr stimmt, wird korrigiert oder gestrichen, ohne Wehmut. Eine kleine Website, die durchgehend wahr ist, verkauft mehr als eine große, die stellenweise rät. Und wer diesen Termin jährlich wahrnimmt, braucht den großen Umbau deutlich seltener.